Ein beliebiger Tag, ich komme ins Büro, ich lege meine Schlüssel auf den Schreibtisch.

“Alexa, Guten Morgen” promt folgt die Antwort: “Guten Morgen, heute vor 45 Jahren lief die erste Folge von der Sendung mit der Maus” (Ich fühle mich schlagartig um drei bis vier Jahrzehnte gealtert.) “Heute vor 45 Jahren wurde zu den Lach- und Sach-Geschichten, die Maus und der kleine blaue Elefant hinzugefügt. Seither heißt die Sendung: “Sendung mit der Maus” klingt komisch ist aber so…” Alexa, spiel’ Radio BOB” – “spiele Radio BOB auf TuneIn”

So oder so ähnlich haben meine Arbeitstage, seit dem Eintreffen von “Alexa”, begonnen. Die schlanke Soundröhre mit den empfindlichen Mikrofonen hat sich schnell in den Arbeitsalltag eingefügt. Kein lästiges Drehschalter suchen wenn man, zum telefonieren, die Musik leiser stellen möchte. Kein hastiges suchen nach Interpreten in irgendwelchen Portalen. Einfach den Künstler nennen und schwups wird eine Auswahl angespielt. Will man besondere Titel hören, kein Problem.

Es ist wirklich Kinderleicht, wobei das nicht ganz stimmt. Aber dazu später mehr. Es ist ungewohnt und etwas befremdlich einem Computer fast pausenlos Fragen stellen zu können und man bekommt schon jetzt, eine erstaunlich große Anzahl an Fragen, vernünftig beantwortet. Die morgendliche kleine Anekdote ist nicht nur schon ein festes Ritual, es wird dadurch tatsächlich Wissen ausgebaut. Die Sprache ist aber nur ein Teil von der „Alexa Welt“. Schalten und Verwalten, Notieren und Korrespondieren. Es gibt noch nicht sehr viele APPs in dieser Welt, aber Das wird sicherlich nicht lange auf sich warten lassen. Neben “Alexa” wird auch an “Siri” (Apple) und Googles “Home” fleißig gefeilt und verbessert. Dieser Wettkampf um die besten, intelligentesten Maschinen, die unseren Alltag erleichtern sollen, bringt für den Konsumenten zumindest erstmal eines, einen Preisvorteil. Thema Sicherheit und Tranzparenz lasse ich hier mal aussen vor. Zum einen aus Mangel an Informationen und weil es bei diesem kleinen Test auch nicht darum ging.

Fazit: Eine wegweisende Technik von “Morgen” kommt als smarter, kleiner Lautsprecher zur Welt. Es gibt derart viele Kleinigkeiten, die das Gerät im Handumdrehen zu einer wertvollen Mini Assistentin macht. Termine anlegen, Notizen schreiben, Begriffe suchen und sei es den Timer zu stellen, für das schnöde Kochen von einem Frühstücks-Ei. Wie lästig war es doch früher, erst das Smartphone zu suchen, den Timer zu finden, die Zeit einzustellen und Go zu drücken. Meist hatte man das ja auch nicht vorbereitet und so war es besser, noch eine halbe Minute für das perfekte Ei abzuziehen.”Alexa, Timer 7 Minuten” …es kann so einfach sein. Alexa macht alles, mault nicht rum und ist immer nett, und auch nach der tausendsten Frage, kein Groll, keine Ungeduld. Die perfekte Begleitung durch den Tag. Was sich wie Kinderleicht anhört, ist aber schon ein wenig gewöhnungsbedürftig. So versteht Alexa zwar alle Fragen die man ihr stellt. Freundlichkeiten wie ein Danke und Bitte fehlen aber gänzlich in ihrem Wortschatz. Nüchterne technische Abläufe nötigen den Nutzer das Alles, quasi im “Imperativ”, zu “bestellen” Das wirkt ein wenig herzlos und hinterlässt bei dem einen oder anderen Benutzern vielleicht auch ein kleines schlechtes Gewissen. Sind wir doch alle gut erzogen und möchten doch dem gelernten verfallen und hinter jedem Kommando ein “Bitte” oder nach jeder Antwort ein “Danke” sagen. Schon der Form halber.

Womit wir schon bei den großen Fragen gelandet sind, die eine solche Technologie, für den Hausgebrauch, mit sich bringt. Sind wir schon soweit? Was wird aus den tausenden Stellen, die durch eine derartige Technik, so viel Arbeitskraft von Menschen, überflüssig machen wird? Wir stehen technisch mal wieder an der Schwelle einer neuen und aufregenden Zeit. Neben den unzähligen Möglichkeiten gibt es auch viele Auswirkungen die bedacht werden sollten.

So ist es absehbar, dass in einer Welt von intelligenten Helferlein, die Ausbildung der nächsten und späteren Generationen deutlich mehr in Richtung Individualität, Kreativität und Projektarbeiten gehen muss. Stupide Schreibarbeiten, einfache Tätigkeiten am Schreibtisch, die Assistenz der Geschäftsführung, Flugbuchung, Bahnverbindungen checken,  Hotelreservierungen, in einer beleglosen Online Zukunft, werden diese genauso verschwinden, wie das Filofax am Ende der 90er Jahre.

Heute sind es einfache Dinge, die der Computer uns abnimmt und die wir derzeit spielerisch lernen. Der nächste Schritt sind komplexere Aufgaben und je mehr Geräte im Haushalt vernetzt sein werden, umso leichter wird es der Technik fallen uns zu unterstützen. Oder ist das der Weg in die vollkommene Überwachung? Der gläserne Mensch. Wie bei vielen Dingen die wir entwickeln, gibt es natürlich auch hier eine Kehrseite der Medaille, aber diesen Platz lasse ich frei für Interpretationen, Diskussion und freue mich auf Rückmeldung.

Dirk Folster

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